
IM RHYTHMUS DER NATUR! Zum 75-jährigen Jubiläum wagt das Museum Morsbroich ein außergewöhnliches Experiment. Mit der Ausstellung ‘Chained to the Rhythm – Von Mensch und Natur’ öffnet das Museum seine Räume radikal neu und stellt ab Sonntag, den 1. März, die gewohnten Regeln des Museumsbetriebs für einige Monate infrage. Eröffnet wird die Schau um 12 Uhr durch den Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen, Stefan Hebbel, und Fritz Emslander, kommissarischer Direktor des Museums und Kurator der Ausstellung. Kaum ein Ort eignet sich für dieses Vorhaben besser als Morsbroich. Eingebettet in Schloss- und Skulpturenpark, geprägt von historischen Räumen und großen Fensterachsen, funktioniert das Museum wie eine Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst und Natur. Tageslicht, Jahreszeiten und Wetter sind hier stets präsent – auch wenn sie aus konservatorischen Gründen meist außen vor bleiben. Genau das ändert sich nun: Die Bel Etage des Schlosses wird zunächst vollständig leergeräumt und als Resonanz- und Denkraum erfahrbar gemacht, bevor sie sich nach und nach mit Kunst füllt. Beteiligt sind junge wie etablierte Künstler*innen, darunter Enya Burger, Jason Dodge, Rubin Henkel & Niklas Bolten, Lois Weinberger, Bill Viola, Andy Warhol oder Herlinde Koelbl (s. Titelbild). Ihre Arbeiten verwischen die Grenzen von Innen und Außen und thematisieren das fragile Verhältnis von Mensch und Natur. So wird Morsbroich zur Wetterstation, zum Brennglas für Licht und Klima oder zum Ort, an dem Pflanzen hörbar werden. Andy Warhols legendäres Video ‘Sleep’ (1963) und Stefan Draschans Fotografien schlafender Museumsbesucher*innen laden dazu ein, den eigenen Takt zu drosseln – und vielleicht sogar ein Nickerchen zu wagen. Der Titel der Ausstellung verweist nicht zufällig auf Katy Perrys Song ‘Chained to the Rhythm’. Sind wir gefangen im Takt unserer beschleunigten Gegenwart? Und was würde passieren, wenn wir innehalten, entschleunigen und uns wieder stärker als Teil der Natur begreifen? ‘Chained to the Rhythm’ lädt dazu ein, diese Fragen nicht nur in Kunstwerken zu betrachten, sondern sie körperlich und räumlich zu erfahren. Ein starkes Statement zum Jubiläum und ein verheißungsvoller Start ins neue Morsbroicher Ausstellungsjahr. 😊 Mehr Infos:
www.museum-morsbroich.deMonika Baer
Info: Wenigen gelingen Werke von solch durchgehender Spannung. Es ist, als würde von Werkgruppe zu Werkgruppe eine brennende Fackel übergeben. Oder als sei auf jeder Leinwand Haut besonders fest auf den Knochen gespannt. Es ist eine Spannung, die allein aus malerischen Setzungen rührt, die Monika Baer in den vergangenen dreißig Jahren immer weiter entfaltet hat. Kompromisslos hat sie dabei ein Werk entwickelt, das sich losgelöst von allen Strömungen bewegt. Baers Bildsprache tritt zeitlos auf und ist gleichzeitig stark mit der Gegenwart verbunden. Es sind anierende Bewegungen von dialektischer Natur, die ein geladenes Vibrieren erzeugen und auch die innerbildlichen Zusammenhänge charakterisieren. Defection zeigt ihre jüngsten Arbeiten. Sie treten in die Nachbarschaft der zuvor entwickelten Motivgruppe mit Mänteln, die auf Felsnischen oder Simsen abgelegt sind. Es handelt sich bei beiden Komplexen um Räume der Untiefe. Ihrer verschlossen bleibenden Dimension liegt etwas Rätselhaftes zugrunde, dessen Detailversessenheit das abtastende Auge auf die Spur kommt, dem es aber nicht bis zum Ende folgen kann. (…)

Franz Ackermann, Jens Bleckmann, DAG, Ólafur Elíasson, Esther Ernst, Julius Hartauer, Michael Golz, Christian Pilz, Isabell Schulte
Info: Kartographische Pläne sind selten eindeutige Aufzeichnungen des Gegebenen. Auch wenn sie Rationalität und Objektivität suggerieren, bewegen sie sich in einem nie von Subjektivität freien Raum zwischen Abbildern und Zeichen, zwischen Bild und Sprache – letztlich zwischen Realität und Fiktion – auch deswegen, weil sie Maßstäben folgen, die bestimmen, wo die Genauigkeit im Detail aufhört. Auf gedruckten Weltkarten wird der Standort von KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION kaum zu finden sein. Erst in digitale Karten lässt sich beliebig hineinzoomen. Doch gibt es Länder und Orte, die nur auf fiktiven Karten zu finden sind, etwa das Lummerland aus Michael Endes berühmten Jim Knopf-Romanen. Kartographisch inspirierte Fiktionen gibt es jedoch nicht nur in Kinderbüchern, sondern auch im Werk vieler Künstlerinnen und Künstler. Hier finden wir originelle Auf- und Verzeichnungen von Reiseerlebnissen, daneben detaillierte Entwürfe erdachter Orte und Länder. Kartographisch anmutende, zeichensprachlich oder ornamental wuchernde Strukturen können sich zu ganz eigenen Weltentwürfen entwickeln. (…) Zur Eröffnung sprechen Monika Schnetkamp (Vorsitzende, Arthena Foundation), Ludwig Seyfarth und Klaus-Peter Kirchner (Kuratoren).

Marc Botschen, Rebekka Benzenberg, Iris Helena Hamers, Alissa Ritter, Emil Walde, Milena Wojhan
Info: POV: Du liest eines dieser Das erste Wort, das du siehst, beschreibt wie dein 2026 aussehen wird Wortsalate. Dein Blick streift PROFUSION, ANTAGONIST und WISHLIST. Verdammt, die TikTok Witches hatten mal wieder recht. Es ist alles so verdammt viel geworden. Die Lüge sieht nach Wahrheit aus, die Satire nach Geschichte, der Albtraum wie der Alltag. Ruhe ist verdächtig fremd. Du wünschtest, du könntest raus und mal wieder Gras anfassen. Wie schade, dass dein Handy noch nicht geladen hat. – Jennifer Braun

Julia Heyward
Info: Die Künstlerin und Performerin Julia Heyward (*1949, US) beschreibt ihren Umgang mit Sprache als verworren, assoziativ, fieberhaft und didaktisch – ein spielerisches Mittel, um durch Exzess und Störung Emotionen auszulösen. Inspiriert von Vaudeville-Theater, Slapstick, Jodeln, mongolischem Kehlkopfgesang, sowie Bauchrednerei und verschiedenen Methoden der phonetischen Verzerrung entwickelte Heyward eine eigenständige theatrale Ästhetik. Die Ausstellung Voices of Many Voices konzentriert sich auf Heywards frühe Performances, deren überlagerte Projektionen, Live-Musik, Requisiten und Kostümen sich fließend zwischen Spoken-Word-Performance, Konzertformaten und Theater bewegten. Statt an ein einzelnes Medium gebunden zu sein, entfaltet sich ihre Praxis über verschiedene Formate hinweg und verfolgt eine kontinuierliche, medienübergreifende Auseinandersetzung mit Sprache, Klang und Bild. (…) Begrüßung von Tobias Viehoff (Vorstandsvorsitzender, Westfälischer Kunstverein), inhaltliche Einführung von Theresa Roessler (Direktorin & Kuratorin, Westfälischer Kunstverein). Gleichzeitig eröffnet das neue RADAR-Projekt von Tornike Gognadze.

Nadine Lohof
Info: Nadine Lohof (b. 1987 in Kassel) presents her first solo exhibition Werkzeug with Ruttkowski;68 in Düsseldorf. As something that concentrates intention while remaining fundamentally ambivalent, tools can care for and injure, shape and damage; they inscribe marks, cut into surfaces, smear, and leave traces that cannot be fully undone. Lohof’s paintings depict figures caught in transient situations: children, costumed bodies, ambiguous beings that evade fixed identity. Laughter recurs as a central motif, oscillating between warmth and aggression, intimacy and derision. Bared teeth, exaggerated gestures, and heightened expressions never settling into clarity. Soft pastel tones and gently worked surfaces lend the paintings an immediate, almost inviting quality, while subtle disruptions emerge on a closer look. The scenes remain fragmentary, allowing absence and implications to resonate as strongly as what is shown. The installation Alphatools casts axes in chocolate, translating the painterly exploration of trace, violence, and seduction into tangible form. Chocolate, both sensual and alluring, carries the promise of pleasure, yet it also exposes the persistence of marks: when one tries to wipe away stain, the residue remains, hinting at mess, a touch, or bodily traces. (…)

Pablo Schlumberger (Künstler), Fion Pellacini (Künstler, Komponist, Musiker)
Info: Wer beim Umschreiten des K21 weit nach oben unter das Dachgesims des alten Ständehauses blickt, kann dort die Figuren engelsgleicher Kinder entdecken. Schon weit über 100 Jahre halten sie die Wappen der Stände und Provinzen, deren Vertreter sich hier einst zum Provinziallandtag einfanden. Am 6. März dürfen sich die Putti eine Auszeit von ihrer repräsentativen Pflicht erlauben und unter der Kuppel einen Drink nehmen. Das K21 steht nach den regulären Öffnungszeiten allen offen, die ihnen Gesellschaft leisten wollen. Trinkend, redend oder auch schweigend, denn zusammen ist man weniger allein. Pablo Schlumbergers nomadische Bar Putti reagiert mit jedem Erscheinen auf den neuen Ort und seinen Kontext und verändert so immer wieder ihre Gestalt und Ausrichtung. Nach Stationen im Harburger Bahnhof (2019), der Neuen Barmbeker Apotheke (2021) und dem BPA in Köln (2023) taucht sie dieses Mal in einem besonders entlegenen Teil des Kuppelgeschosses im K21 auf. Für einen Abend wird der schlauchförmige Raum zwischen Treppenturm und Aufzug zur Rooftop Bar. Ihr wechselndes Signet, dieses Mal zwei Fontänen weinende Katzen, deutet bereits an, dass in diesem Labyrinth aus Museumsmobiliar durchaus Platz für Mitleid ist. Im Französischen heißt es regnet bekanntlich il pleut – es weint. Passenderweise stehen hier schon die Auffanggefäße für die nächsten Himmelstränen bereit. Begleitet wird der Abend von den melancholisch-sphärischen Klängen von Fion Pellacini. Prost – die Getränke sind frei!
