ArtJunk
No. 41—2026

 

 

This Week

Sanna Helena Berger

Info: Œuvre (working title) ist Sanna Helena Bergers erste institutionelle Einzelausstellung, in der sie dem Format Retrospektive als Besiegelung einer Künstlerinnen-Biographie widerspricht. Gegen diese Konvention argumentiert Berger, dass die ausschließlich rückschauende Betrachtung des Gesamtwerkes einer Künstlerin am Ende deren Handlungsfähigkeit für zwischenzeitliche Bedeutungsproduktion (Nachträglichkeit) ausschließt. Diese Interpretation einer archivarischen Geste blickt zugleich zurück und nach vorn. Berger lässt den üblicherweise temporären Platzhalter Arbeitstitel als namengebendes Echo ihrer Philosophie stehen: Ein Lebenswerk ist ein nichtlinearer Prozess. So wird die Ausstellung zu einem Ort, an dem die Vorsilbe re- als deiktische Methode fungiert, die sowohl fertigen als auch liegengelassenen Arbeiten neue, oder überarbeitete Lesarten der bereits existierenden eröffnet. Ein kritisches Hinwenden, bei dem Berger versucht, Werke mit einem reflexiven, kritischen Blick zu erinnern (re-member), erneut zu befragen (re-visit) und neu zusammenzufügen (re-assemble). So wird die Rekontextualisierung zu einer formalen Methode, die den kuratorischen Gestus der Ausstellung bestimmt. (…) Eröffnung mit einer Einführung von Theresa Roessler / 19:30 Uhr: Performance Finale. Langsam, schwer. von Sanna Helena Berger (auf Englisch) gemeinsam mit Angelina Petrović (Querflöte) / Parallel eröffnet die Ausstellung RADAR: Eda Aslan. It was their dust that we breathed in.

Westfälischer Kunstverein Sanna Helena Berger ArtJunk

Gregor Schneider

Info: Die Kunsthalle Düsseldorf zeigt mit Haus u r 2026 eine umfassende Ausstellung des international renommierten Künstlers Gregor Schneider. Im Zentrum steht sein seit den 1980er-Jahren fortgeführter Werkkomplex Haus u r, der zu den einflussreichsten raumbezogenen Arbeiten der Gegenwartskunst zählt. Spätestens seit Schneider im Jahr 2001 für Totes Haus u r im Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, ist das Haus u r international bekannt. Seither wurden Räume aus diesem fortlaufenden Werk in zahlreichen bedeutenden Museen weltweit gezeigt. Das Haus u r in der Unterheydener Straße in Mönchengladbach-Rheydt bildet seit den 1980er-Jahren den Kern von Gregor Schneiders künstlerischer Praxis. Es ist nicht nur Ort, sondern zugleich Material und Prozess. Neben seinem Raumlager – seiner Enzyklopädie der Räume – hat Schneider das Gebäude kontinuierlich erweitert, transformiert und verdoppelt. (…) Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Werkkomplexes Haus u r 1985–heute rückt die Ausstellung Haus u r 2026 dieses zentrale Werk erneut in den Mittelpunkt. In der Kunsthalle Düsseldorf werden gebaute Räume, Skulpturen, Fotografien, Filme und Live-Stream-Projektionen aus dem Haus u r zusammengeführt.

Kunsthalle Düsseldorf Gregor Schneider ArtJunk

Enya Burger

Info: Die Werner Deutsch-Preisträgerin Enya Burger richtet im Museum Kurhaus Kleve eine ortsspezifische Ausstellung mit neuen Arbeiten ein. Ihre Werke befassen sich mit verschiedenen Themenfeldern, von Biologie über Mythologie und Geschichte bis hin zur Soziologie. Ein wichtiger Bezugspunkt der Künstlerin sind wissenschaftliche Methoden und die Art und Weise wie diese Tatsachen schaffen, obwohl ihre Objektivität häufig von besonderen Interessen geleitet ist. Dem herkömmlichen Klassifizieren und Ordnen begegnet sie mit Prozessen und Materialien, welche die bekannten Kriterien unterwandern. So interessiert sie sich für flüssige oder flüchtige Materialien wie Schleimpilze oder Pollen, die sich einer klar erkennbaren Ordnung und Stabilität widersetzen und anstelle dessen eine ständige Wandelbarkeit definieren. In ihrer Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve wird Enya Burger neue Arbeiten aus den Reihen der Landscaping und der Register zeigen. Bei beiden Serien geht es um das Schaffen von Kartografien, die weniger auf territorialen Abgrenzungen als auf dem Sichtbarmachen von Prozessen basieren. (…) Die Eröffnung findet ab 18 Uhr im Friedrich Wilhelm-Bad statt. Es sprechen Werner Steinecke, Susanne Figner und Harald Kunde. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Museum Kurhaus Kleve Enya Burger ArtJunk
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Upcoming

Grand Snail Tour: HÖREN! in Essen

Urbane Künste Ruhr

Jan St. Werner (Musiker, Komponist, Klangkünstler), Michael Akstaller (Klangkünstler, Komponisten), Studierende der Folkwang Universität der Künste

Info: Am Viehofer Platz in Essen lädt der Stopp HÖREN! dazu ein, den Ort gemeinsam mit dem Sound Practice Research-Kollektiv bestehend aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen der Folkwang Universität der Künste unter der Leitung von Jan St. Werner als Ausgangspunkt einer klanglichen Erkundung zu erleben. Im Fokus steht eine Auseinandersetzung mit den architektonischen und situativen urbanen Bedingungen des Viehofer Platzes, die durch Hören, Improvisation und elektronische Komposition erfahrbar gemacht werden. Jan St. Werner ist Musiker, Komponist und Klangkünstler und prägt seit den 1990er Jahren mit Mouse on Mars die internationale experimentelle Musikszene. Seine Arbeit verbindet elektronische Musik, ortsspezifische Komposition, Improvisation und kollaborative Prozesse. Seit Anfang 2025 ist er Professor an der Folkwang Universität der Künste. Gemeinsam mit dem Klangkünstler und Komponisten Michael Akstaller und Studierenden der Folkwang Universität der Künste erforscht er experimentelle Formen des Hörens, Komponierens und kollektiven Gestaltens mit Klang. Im Zentrum steht die Frage, wie Hören neue Perspektiven auf urbane Räume eröffnet und gemeinschaftliche Erfahrungen ermöglicht. Der Tourstopp macht diese künstlerische Praxis unmittelbar erfahrbar und lädt Besucher*innen dazu ein, den Viehofer Platz als klingenden Resonanzraum neu zu entdecken. Ort: Viehhofer Platz 1, 45127 Essen.

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Book Launch: 200 Jahre Fotografie

SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn

Dr. Ann-Katrin Günzel (Chefredakteurin, KUNSTFORUM International), Claudia Schubert (Kuratorin, Photographische Sammlung/Stiftung Kultur), Damian Zimmermann (Gastherausgeber der Ausgabe)

Info: Anlässlich der neuen KUNSTFORUM-Ausgabe 200 Jahre Fotografie. Zwischen Materialität, Kunstmarkt und künstlerischer Unschärfe lädt Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn gemeinsam mit dem KUNSTFORUM International zum Launch-Event. Im Gespräch mit Dr. Ann-Katrin Günzel, Chefredakteurin KUNSTFORUM International, Claudia Schubert, Kuratorin der Photographischen Sammlung/Stiftung Kultur und Damian Zimmermann, Gastherausgeber der Ausgabe, wird ein gemeinsamer Blick auf 200 Jahre Fotografie geworfen und was diese für die Gegenwart bedeutet. In diesem Kontext stellt Claudia Schubert eine Verbindung zur aktuellen August-Sander-Ausstellung her, die vor Ort zu sehen ist. Anschließend laden wir zu einem gemeinsamen Umtrunk ein. Es besteht die Möglichkeit, sich auszutauschen und im Rahmen der Sonderöffnung bis 21 Uhr die aktuelle Ausstellung August Sander – Zum 150. Geburtstag zu besuchen. Die neue KUNSTFORUM-Ausgabe ist an diesem Abend zu einem einmaligen Sonderpreis zu erwerben. Zu entdecken sind außerdem alle bisher erschienenen Ausgaben zum Thema Fotografie online im KUNSTFORUM Archiv. Wir freuen uns auf einen anregenden Abend über 200 Jahre Fotografie, ihre Geschichte, ihre Gegenwart und ihre Perspektiven für die Zukunft.

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Finissage & Artist Talk: Magnificent Transmutations

Kunst-Station Sankt Peter Köln

Shannon Bool

Info: Mit der Ausstellung Magnificent Transmutations von Shannon Bool startet die Kunst-Station Sankt Peter Köln im Rahmen der DC Open und parallel zur Wiedereröffnung der Kölner Oper in die Herbstsaison 2026. Die szenische Präsentation der Künstlerin Shannon Bool umfasst mehrere Objekte, die miteinander in Beziehung treten: Ein figürlicher Bildteppich, Grandiose Magnificent Borderline, wird mit einer Straßenlaterne, Gaslight (name TBD), und Keramiken, Untitled, kombiniert. Die Künstlerin wählt für ihre handwerklich anspruchsvollen Werke das breite Hauptschiff und die Taufkapelle der gotischen Kirche aus, die auch Werke von Peter Paul Rubens, Gerhard Richter und Eduardo Chillida zeigt. Auf der Tapisserie sind elegant gekleidete Frauengestalten im Stil des Pariser Maison Lanvin der 2015er Jahre zu sehen, die in die Hochhausarchitektur von New York, den JP Morgan Chase Tower in Manhattan, im wahrsten Sinne des Wortes verwoben sind. Der Jacquard-Teppich – bei dieser Technik wird das Motiv direkt in das Gewebe eingewebt und nicht aufgedruckt – betont dieses Ineinandergreifen von Modegeschichte, futuristischer Architektur und gesellschaftlicher Bedeutung von Gestaltung. (…) Zur Finissage findet ein Gespräch mit der Künstlerin in der Kunst-Station Sankt Peter statt.

Kunst Station Sankt Peter Köln Shannon Bool ArtJunk
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