Andreae


Paul-Kemp-Str. 7
53173 Bonn
Mi: 10–18 Uhr
Do–Fr: 14–18 Uhr
Sa: 11–15 Uhr
und nach Vereinbarung
T +49 (0) 288–934 908 81
Exhibitions
Ostrakon Stories
Tiziana Jill Beck
Info: Die neue Werkserie von Tiziana Jill Beck nimmt ihren Ausgangspunkt in einem alten demokratischen Instrument: dem Ostrakon, der Tonscherbe, auf der im antiken Athen über das Exil von Politikern abgestimmt wurde. Was wie ein historischer Verweis klingt, ist für Beck ein dringliches Bild für die Gegenwart, in der demokratische Strukturen zu bröckeln scheinen und das Vertrauen in das Gemeinwesen auf dem Prüfstand steht. Die Frage, die ihre Arbeit durchzieht, ist dabei so einfach wie unausweichlich: Was steckt in einem Bruchstück? Welche Geschichte trägt es in sich? Im Ausstellungsraum präsentiert Beck Scherben aus dem Rhein, deren genaue Herkunft unbekannt bleibt. Unbearbeitet und ohne weitere Eingriffe stehen sie als stumme Platzhalter im Raum: für die Idee, dass etwas Kleines, Gebrochenes einmal politische Schicksale entschieden hat. Jede Papierarbeit ist einer dieser Scherben zugeordnet, ein fortlaufendes Gespräch zwischen Objekt und Bild, das sich durch die gesamte Ausstellung zieht. In Ostrakon Stories entwirft Tiziana Jill Beck ein Bild vom Menschen, das sich nicht in Klarheit auflöst. Die Frage nach dem Sein ist selten ein gerader Weg, sondern ein Geflecht aus Assoziationen und Widersprüchen, und der Mut, verwirrt zu bleiben, ist vielleicht das Menschlichste überhaupt. Bei Beck wird das Bruchstück nicht gekittet, sondern ausgestellt. Weil genau darin sichtbar wird, was uns verbindet. Diese Ordnung ist so fragil wie die Scherben, aus denen sie ihren Namen trägt, und die Frage nach ihrer Stabilität ist heute so relevant wie selten zuvor. Tiziana Jill Beck (*1982) studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie als Meisterschülerin bei Christoph Ruckhäberle abschloss. Nach längeren Aufenthalten in Paris und in Südkorea lebt und arbeitet Tiziana Jill Beck heute in Berlin.

Sommersprossen
Max Freund
Info: Max Freunds erste Solo-Präsentation im SALON der Galerie Andreae trägt den Titel Sommersprossen, der seiner Wiederbegegnung mit einer (Anti-)Heldin aus Kindertagen, Pippi Langstrumpf (aus Pippi Långstrump, 1945, von Astrid Lindgren) entlehnt ist. Die Sommersprossen tragende Langstrumpf dient dabei weniger als nostalgische Referenz denn als Modell eines anderen Weltzugangs. Sie hinterfragt Lebensentwürfe und Autorität, ist unabhängig und rebellisch, zugleich aber großzügig und gütig. Sie orientiert sich nicht an Normen, sondern an Potenzial und Vorstellungskraft. Hier setzt auch Freunds künstlerische Forschung an: als Praxis, die Realität und kollektive Erinnerung nicht abbildet, sondern erweitert und neu codiert. Freund begreift Bilder als eigenartige Konstanten unserer Zivilisation, als Speicher von Zeit, kulturellen Echos und persönlichen Erinnerungen, die Vergangenheit und Möglichkeit zugleich verhandeln. In einer Gegenwart permanenter Bildproduktion bestimmt die Malerei nach wie vor den zeitgenössischen Kunstdiskurs. Der in Wien lebende und arbeitende Künstler empfindet seine bildbasierte Praxis als Realitätswiedergabe beziehungsweise -erweiterung, die Fantasie und abstrakte, nichtlineare Denkprozesse in unsere Wirklichkeit einspeist. Max Freund (*1992) lebt und arbeitet in Wien. 2017 schloss er sein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Judith Eisler ab. Mit seiner Malerei ist er in zahlreichen internationalen Ausstellungen, Projekten und Sammlungen in Europa vertreten.

Events
Kulturfestival Bad Godesberg
Tiziana Jill Beck, Max Freund
Info: Öffentliche Führungen durch die aktuellen Ausstellungen Tiziana Jill Beck. Ostrakon Stories und Max Freund. Sommersprossen zum Kulturfestival Bad Godesberg. Geöffnet von 11–15 Uhr & 18–20 Uhr.

Kulturfestival Bad Godesberg
Tiziana Jill Beck, Max Freund
Info: Crémant & Croissant in den aktuellen Ausstellungen Tiziana Jill Beck. Ostrakon Stories und Max Freund. Sommersprossen zum Kulturfestival Bad Godesberg.



Lesung & Gespräch: Simon Strauss. In der Nähe
Simon Strauss (Journalist, Schriftsteller), Manfred Osten (Autor, Jurist, Kulturhistoriker)
Info: Der Journalist und Schriftsteller Simon Strauss spricht mit Manfred Osten über sein erstes Sachbuch In der Nähe und über Demokratie im Kleinen. Das Glück eines Menschen hängt daran, in der Nähe von anderen zu sein, leben wir doch in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich? Am Beispiel der ostdeutschen Kleinstadt Prenzlau erkundet Strauss, wie Gemeinschaft gelingen kann, wann sie scheitert und welche politische Bedeutung es hat, in der Nähe zu sein. Er fragt, was ein gutes Zusammenleben ausmacht und welche Kraft der gemeinsame Glaube an einen physischen Ort hat. Dabei hört er den Leuten in Prenzlau erst einmal unvoreingenommen zu – dem Pastor, dem Migranten und auch dem AfD-Abgeordneten.









