ArtJunk
No. 25—2022

Regie: Glauber Rocha, BRA 1962, 80 Min.

Info: Begleitend zur Ausstellung Lygia Pape. The Skin of ALL und im Rahmen des KPMG-Kunstabends präsentiert die Kunstsammlung Filme des brasilianischen Regisseurs Glauber Rocha, einem der wichtigsten Vertreter des Cinema Novo. Kuratiert wird die Reihe von Cis Bierinckx, Kritiker und Kurator für Film, darstellende und bildende Kunst. Mit Barravento (Brasilien 1962) wird Glauber Rochas Erstlingswerk und damit der Beginn des Neuen Kinos gezeigt. Lygia Pape arbeitete zwischen 1961 und 1967 mit dem Cinema Novo zusammen und gestaltete u.a. für Glauber Rocha und andere Regisseure Filmplakate und Filmvorspanne. In diese Zeit fallen auch ihre ersten Filmexperimente. Teilnehmer*innenzahl begrenzt / portugiesisch mit deutschen Untertiteln.

Kunstsammlung NRW K20 Glauber Rocha Barravento ArtJunk

Regie: Pietro Marcello, I/F 2019, 129 Min., mit Luca Marinelli, Jessica Cressy, Carlo Cecchi

Info: Als sich der Matrose Martin Eden in die großbürgerliche Elena Orsini verliebt, merkt er bald, dass sein Charme allein nicht reicht, um ihr Herz und das ihrer Eltern zu erobern. Ungestüm beginnt er, seine bescheidene Bildung zu erweitern. Er liest jedes nur verfügbare Buch, lernt und das Schreiben wird seine Leidenschaft. Kaum einer glaubt an ihn, selbst Elena verfolgt seine Arbeit mit nachsichtiger Herablassung. Das ändert sich erst, als Martin Eden den Bohemien Russ Brissenden kennenlernt, der das ungeheure Talent des radikalen Individualisten erkennt. Regisseur Pietro Marcello hat Jack Londons autobiografisch gefärbten Roman ins Neapel des frühen 20. Jahrhunderts versetzt und verwebt Martin Edens bewegende Geschichte mit den politischen Prozessen Europas des 20. Jahrhunderts zu einem bildgewaltigen Film.

Filmwerkstatt Düsseldorf Martin Eden ArtJunk

Regie: Mahamat-Saleh Haroun, FR/DE/BE/TD 2021, 87 Min., mit Achouackh Abakar Souleymane, Riha- Ne Khalil Alio, Youssouf Djaoro

Info: Als ihre junge Tochter ungewollt schwanger wird, scheint sich die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter in der Hauptstadt des Tschad zu wiederholen. Doch die Tochter will nicht sozial geächtet werden und entschließt sich zu einer Abtreibung. Diese ist aber gesetzlich verboten und auch aus religiösen Gründen undenkbar – ein Dilemma, das durch weibliche Solidarität unterlaufen wird. Mahamat-Saleh Haroun greift ein universelles Thema auf, das leider immer noch aktuell ist, nicht nur in Afrika – auch in Europa gibt es immer noch restriktive Gesetze, die von rückschrittlichen Parlamenten verabschiedet werden oder wurden. Der tschadische Filmemacher nimmt sich des Themas auf seine Weise an, beobachtet die Umgebung genau. Es liegt eine Poesie in diesen Bildern, die in der Thematik wie in der Betrachtungsweise an den italienischen Neorealismus erinnert.

Filmwerkstatt Düsseldorf Lingui ArtJunk

Regie: Mike Mills, USA 2021, 108 Min., mit Joaquin Phoenix, Gaby Hoffmann, Woody Norman

Info: Johnny ist ein Radiojournalist. Er reist durch das Land und befragt Kinder, was sie über ihr Leben und die Welt denken. Eine Familienkrise bringt sein Leben plötzlich durcheinander: Seine Schwester Viv bittet ihn, sich ein paar Tage um ihren Sohn zu kümmern, damit sie ihrem Ex-Mann bei der Bewältigung seiner psychischen Probleme helfen kann. Obwohl sich die Geschwister nach dem Tod der Mutter nicht mehr nahestehen, willigt er ein. Johnny, der es gewohnt ist, andere zu befragen und ihre Geschichten zu sammeln, findet sich über Nacht in der Rolle des Vollzeit-Babysitters für seinen neun-jährigen Neffen Jesse wieder, der ein neugieriges und eigenwilliges Kind ist, das ihn mit neuen Gefühlen und Fragen konfrontiert. Ein zutiefst humanistisches Meisterwerk, das so intelligent wie melancholisch flexible Formen der Vergemeinschaftung erkundet und nachdrücklich für die Kraft des zugewandten Gesprächs plädiert.

Filmwerkstatt Düsseldorf C'mon C'mon Mike Mills ArtJunk

Man Ray

Info: Der beobachtende Blick des Fotografen von außen und der in sich versunkene Blick der im Jahr 1933 abgelichteten Frauen setzen Man Ray und seine Modelle der Edition femmes in ein vielschichtiges und mehrdeutiges Geflecht der wechselseitigen Subjekt-Objekt-Beziehung. Hinter der üblichen Bedeutung einer scheinbar im Vordergrund und Fokus stehenden Erotik, liegen nuanciert erfasste Gesichtsausdrücke und Gesten, die sich gegen eine rein sinnliche Verfügbarkeit sperren, die eine signifikante Souveränität etablieren und sich nicht allein in Schönheit erschöpfen. Die Variationen mit Requisiten und Posen sowie den Man Ray eigenen Möglichkeiten der Solarisation, etablieren zusätzlich Verfremdungseffekte, als visuelle Entsprechungen eines unauflösbaren Residuums, eines Rätsels. Screening Elsa Schiaparelli – Mode ist Kunst von Sabine Carbon zum letzten Ausstellungstag von Man Ray.

Linn Lühn Man Ray ArtJunk

Programm zum KPMG-Kunstabend

Info: Am 6. Juli laden KPMG und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wieder zu einem KPMG-Kunstabend ein. Zwischen 16 und 22 Uhr ist der Eintritt frei. Im K20 ist aktuell die Ausstellung Lygia Pape. The Skin of ALL zu sehen, im K21 können Sie Dialoge im Wandel. Fotografien aus The Walther Collection besuchen. An diesen Abenden wird darüber hinaus ein umfangreiches, ebenfalls kostenfreies Programm angeboten. So beginnen am 6. Juli um 18 und um 19 Uhr Themenführungen in beiden Häusern, die in die Ausstellungs- oder Sammlungspräsentationen führen. Anmeldung vor Ort. Im Auditorium des K20 zeigt die Kunstsammlung den Film Barravento (Brasilien 1962), das Erstlingswerk des Regisseurs Glauber Rochas.

Kunstsammlung NRW K20 K21 KPMG Kunstabend Jubiläum ArtJunk

Regie: Sabrina Sarabi, D 2021, 112 Min.

Info: Es ist Hochsommer in Schattin, einem Kaff im Norden von Mecklenburg-Vorpommern. Die 24-jährige Christin lebt hier mit ihrem ein Jahr älteren Freund Jan auf dem Milchviehhof seines Vaters mitten in der Provinz. Hier gibt es fünf Häuser, eine Bushaltestelle, Kühe und jede Menge Felder. Von der Aufbruchstimmung der Nachwendejahre, die die Jugend von Jan und Christin prägte, spüren sie schon seit langer Zeit rein gar nichts mehr. Hinzu kommt, dass auch ihre Liebe zueinander weitgehend erloschen ist. Christin hat dieses Leben mehr als nur satt und will aus der provinziellen Enge Schattins verschwinden. Wohin, weiß sie noch nicht. Als eines Tages der 46-jährige Windkraftingenieur Klaus aus Hamburg auftaucht, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Das intensive Spiel von Saskia Rosendahl und die sinnlich-atmosphärische Inszenierung eines tristen Alltags auf dem Land machen diesen Film zu einem Ausnahmebeitrag des aktuellen jungen deutschen Kinos.

Filmwerkstatt Düsseldorf Sabrina Sarabi ArtJunk

Regie: Michelangelo Antonioni, IT 1963, 117 Min., mit Monica Vitti, Richard Harris, Carlo Chionetti

Info: Die Frau eines Ingenieurs in Ravenna leidet nach einem Autounfall an neurotischen Ängsten: Mann und Kind werden ihr fremd; die künstliche Umwelt der Fabriken und Raffinerien dagegen rückt bedrohlich nahe und verwandelt sich in apokalyptische Visionen des Zerfalls. Nach einer kurzen Liaison mit dem Kollegen ihres Mannes kehrt sie ins alltägliche Leben zurück, dessen Haltlosigkeit sie zu akzeptieren gelernt hat. Antonioni verfolgt in seinem ersten Farbfilm die thematischen und formalen Ansätze aus Die mit der Liebe spielen (1959), Die Nacht (1960) und Liebe 1962 (1961) auf neuer Ebene weiter: Die Sinnkrise ist radikal; nach dem Verlust von religiösen, emotionalen und sozialen Bindungen bleibt nur die sinnliche Oberfläche der Dinge, deren Poesie erst erlernt und deren Sinn erst gefunden werden muss. Antonioni beschreibt die Entfremdung der Heldin mit Hilfe einer bewusst irrealen Farbdramaturgie.

Filmwerkstatt Düsseldorf Deserto Rosso Michelangelo Antonioni ArtJunk

Regie: Blerta Basholli, XK/CH/MZ 2021, 84 Min.

Info: Fahrije hat ihren Mann verloren und im Kampf ums Überleben gewinnt sie ihre Freiheit. Fahrijes Ehemann wird seit dem Kosovo-Krieg vermisst und neben ihrer Trauer hat ihre Familie auch finanziell zu kämpfen. Um sie zu versorgen, gründet sie ein kleines landwirtschaftliches Unternehmen, aber in dem traditionellen patriarchalischen Dorf, in dem sie lebt, werden ihr Ehrgeiz und ihre Bemühungen, sich und andere Frauen zu stärken, nicht als positiv angesehen. Sie kämpft nicht nur darum, ihre Familie über Wasser zu halten, sondern auch gegen eine feindselige Gemeinschaft, die ihren Misserfolg herbeisehnt. Hive ist von der wahren Lebensgeschichte von Fahrije Hoti inspiriert. Die Kosovo-Albanerin hatte ihren Ehemann nach einem Massaker durch serbische Streitkräfte im Dorf Krusha e Madhe am 25. März 1999 als vermisst gemeldet. Hotis Haus wurde während des Krieges niedergebrannt und sie musste sich alleine um zwei kleine Kinder und die Eltern ihres Mannes kümmern.

Filmwerkstatt Düsseldorf Hive Blerta Basholli ArtJunk

Regie: Andreas Fontana, S/F/ARG 2021, 100 Min.

Info: Der Leiter einer Schweizer Privatbank fliegt 1980 nach Argentinien, um nach dem Verschwinden seines Vorgängers die Geschäftspartner vor Ort zu beruhigen. Zuerst zögernd, doch dann immer entschlossener dringt er in das innere Geflecht von Macht und Dekadenz vor. Der ruhig, spannend und visuell mit großer Kraft inszenierte Politthriller handelt vom Wandel eines jungen, ehrgeizigen Geschäftsmannes zum skrupellosen Bankier. Ein Psychogramm der herrschenden Kaste in Argentinien, das zugleich die Rolle internationaler Kreditinstitute bei der Finanzierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit thematisiert. Azor ist ein komplexer, vielschichtiger Film, weil er so vieles offen lässt und dennoch alles verständlich wird. Im ausgezeichneten Schauspielerensemble beeindruckt insbesondere der Hauptdarsteller Fabrizio Rongione, der sich fast unschuldig und doch zielstrebig ins Labyrinth trüber Eliten vorkämpft.

Filmwerkstatt Düsseldorf Azor Andreas Fontana ArtJunk