ArtJunk
No. 25—2026

Beißen

Noemi Weber

Info: Noemi Weber ist Malerin. Sie bemalt ihre ungrundierten Leinwände am Boden, mitunter übereinandergeschichtet, sodass die Farbe von der Rückseite einer Leinwand durch den Stoff der darunterliegenden hindurchsickert und sich dort einprägt. Schicht um Schicht färbt sie die Leinwand zunächst ein und malt dann darauf weiter, mit Nagel- oder Körperbürsten, Schwämmen und dem eigenen Körper, wobei ausladende, mitunter hauchzarte Spuren entstehen, die sich nach und nach zu einem Relief verdichten. Weber verwendet Acrylfarbe, die sie häufig mit Zusatzstoffen versetzt, die üblicherweise der Grundierung dienen – etwa Zellulose und Marmormehl –, um die Feuchtigkeit zu verlängern und Oberflächen zu erzeugen, die zugleich üppiger und rauer wirken. Die Leinwände winden sich im Entstehungsprozess, wenn die Materialien ineinanderfließen oder sich zusammenziehen; ihre Verwandlungen offenbaren sich erst nachträglich an den rohen Rändern unbemalten Stoffes und dem gelegentlichen Abdruck des darunterliegenden Keilrahmens. Weber spricht von ihren Leinwänden als sich wandelnden Topografien und verweigert die leere weiße Fläche, die traditionell als Projektionsfläche vorbereitet wird. Dieser Eigensinn ist jedoch nicht bloß transgressiv – Webers tiefgreifende Kenntnis der europäischen Malerei wird selbst zu dem Grund, von dem aus sie eine ganz eigene Bildwelt entwickelt. (…)

Drei Noemi Weber ArtJunk