ArtJunk
No. 25—2024

living

Lutz Driessen

Info: Ein Pfeil durchbohrt die nackte Brust des Jünglings. Der locker über den Schultern drapierte rote Mantel betont die Körperkontur. In seiner linken Hand hält er, den Arm angewinkelt auf sein Knie gestützt, den Körper leicht nach rechts gedreht, einen weiteren Pfeil. Unbeeindruckt von seiner Verwundung blickt er entrückt in die Ferne. Agnolo Bronzinos Heiliger Sebastian um 1528/29 ist unversehrt und makellos schön, geradezu lieblich-betörend. Daneben sind andere der überaus zahlreichen ikonographischen Darstellungen des Schutzpatrons expliziter in der Zurschaustellung von Schmerz und Leid und zeigen den Körper, an Baum oder Säule gefesselt, durchlöchert von einer Vielzahl an Pfeilen. Mit der Renaissance wird der Heilige zunehmend als Ikone männlicher Schönheit, Sinnlichkeit und Lust stilisiert. Bronzinos Gemälde, das den Arm des Sebastian mit dem Pfeil so prominent inszeniert und dem gläubigen Betrachter am unteren Bildrand förmlich zur Verehrung darbietet dient Lutz Driessen als Ausgangspunkt für seine Auseinandersetzung mit Körperzuständen. Für seine erste Einzelausstellung in der Galerie Khoshbakht sind unter dem Titel living neue Zeichnungen und Malereien entstanden, die wiederholt den Unterarm und die Handhaltung Sebastians als Bildelement aufgreifen. (…)

Galerie Khoshbakht Lutz Driessen ArtJunk