ArtJunk
No. 21—2024

Die zwei Seiten der Medaille

Rachel Fäth, Johannes Büttner & Tom Richardson

Info: Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist – so lautet der vielleicht berühmteste Satz aus Guiseppe di Lampedusas Historienroman Der Leopard, verkündet von dem bürgerlichen Revolutionär Tancredi Falconeri. Diese Geschichte spielt zur Zeit des Risorgimento, der Vereinigung Italiens, und Tancredis Aphorismus richtet sich an den Prinzen Don Fabrizio Cordera, den Vertreter des im Niedergang begriffenen sizilianischen Adels. Trancredis Zeile besiegelt gewissermaßen das Schicksal von Don Fabrizio: Die von ihm verkörperten traditionellen Werte und Existenzweisen werden von den herannahenden Zwillingsfluten des Nationalismus und des Kommerzes zugrundegerichtet. Das geschieht im Rahmen einer noch totalisierenderen Affirmation der Metaphysik der Moderne, also in Anbetracht der zwei Seiten einer Medaille, die Horkheimer und Adorno in einem anderen Zusammenhang denkwürdig als Dialektik der Aufklärung bezeichnet haben.

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