ArtJunk
No. 25—2024

Die Vögel des Zufalls

Wim Delvoye, FORT, Gregor Hildebrandt, Robert Kraiss, Alicja Kwade, Alwin Lay, Oliver Mark, Anna Virnich, Thomas Zitzwitz – kuratiert von Thomas Zitzwitz

Info: Vor sieben Jahren trat zufällig im Krankenhaus der Stadt, wo Teresa wohnte, ein komplizierter Fall einer Gehirnkrankheit auf, und Tomas’ Chefarzt wurde zu einer dringenden Konsultation gebeten. Zufällig hatte dieser Chefarzt Ischias, konnte sich nicht bewegen und schickte Tomas zur Vertretung in das Provinzkrankenhaus. In der Stadt gab es fünf Hotels, doch Tomas stieg zufällig dort ab, wo Teresa arbeitete. Zufällig hatte er vor der Abfahrt noch etwas Zeit, und er setzte sich ins Restaurant. Teresa hatte zufällig Dienst und bediente zufällig an seinem Tisch. Es waren also sechs Zufälle nötig, um Tomas auf Teresa hinzustoßen, als hätte er selbst gar nicht zu ihr gewollt. (…) Wird aber ein Ereignis nicht um so bedeutungsvoller und gewichtiger, je mehr Zufälle für sein Zustandekommen notwendig sind? Nur der Zufall kann als Botschaft verstanden werden. Was aus Notwendigkeit geschieht, was absehbar ist, was sich täglich wiederholt, ist stumm. Nur der Zufall ist sprechend. (…) Soll die Liebe unvergeßlich sein, so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen, wie die Vögel auf den Schultern des Franz von Assisi. – Aus Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera

Galerie Norbert Arns Thomas Zitzwitz ArtJunk