ArtJunk
No. 48—2022

Francisco Trento (Artistic Researcher)

Info: Während der Veranstaltung wird Francisco Trento zwei laufende Projekte zum Thema nicht-neurotypische intime Beziehungen vorstellen, die vom Standpunkt des neurotypischen Privilegs abweichen. Francisco wird ihre Forschungen über die Stigmatisierung von Neurodiversität in Online-Dating-Plattformen vorstellen und Auszüge aus einem Artikel präsentieren, der demnächst in der Zeitschrift Culture Unbound veröffentlicht wird. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden sie einen Zine-Prototyp vorstellen, T*nder-bender (entwickelt im Rahmen der UrbanApa Home Residency). Das Zine thematisiert Erfahrungen mit Stigmatisierung in der Online-Dating-Szene als neurodiverse Person. Obwohl dieses Projekt stark mit dem Jammern verbunden ist, betont es den neuroqueere SPASS. Aus diesem Grund enthält der Prototyp auch fiktive, spielerische Dating-App-Profile, die einen freudigen Ansatz für mehr-als-menschliche und neuroqueere Ansätze für Intimität zeigen; Profile, die neurodivergente Eigenschaften wie Stimming, Stottern, Überempfindlichkeit und Überwältigtsein durch Texturen, Geräusche und überfüllte Umgebungen wertschätzen. Das Zine zeigt gegensätzliche Dating-App-Profile aus der Perspektive nicht-menschlicher Subjekte wie Steine, Bäume und Spielzeuge auf der Suche nach einer intimen Beziehung. Die konzeptionellen Verbündeten des Zines sind, neben vielen anderen, Remi Yergeaus Buch Authoring Autism: On Neurological Queerness und Sophie Lewis’ Abolish the Family. Anmeldung zum Zoom-Talk →

Temporary Gallery Francisco Trento ArtJunk

Linda Conze (Kuratorin, Kunstpalast, Düsseldorf), Jan Wenzel (Verleger), Anja Schürmann (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen)

Info: Der Leipziger Verlag Spector Books erhielt bereits mehrere Auszeichnungen für besonders schön gestaltete Bücher. Wie entsteht ein modernes Fotobuch? Im Online-Gespräch mit Kuratorin Linda Conze erläutert Verleger Jan Wenzel das Konzept zum Ausstellungskatalog von der ersten Idee bis zur fertigen Publikation. Fotobuch-Expertin Anja Schürmann (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen) stellt dazu die von Evelyn Richter gestalteten Bücher aus den 1970er Jahren vor. Die Buchprojekte zum Komponisten Paul Dessau, zum Violinisten David Oistrach und zum Thema frühkindliche Entwicklung nehmen einen wichtigen Teil im Schaffen der Künstlerin ein und werden auch in der Ausstellung gezeigt. Zum kostenlosen Live-Stream →

Kunstpalast Düsseldorf Evelyn Richter ArtJunk

Nahee Kim (Künstlerin), Jiyoung Kim (Wissenschaftlerin)

Info: Die Künstlerin Nahee Kim und die Wissenschaftlerin Jiyoung Kim werden im Gespräch Nahee Kims Projekt Daddy Residency diskutieren. Daddy Residency ist ein Projekt über Nahee Kims Familienplanung mit ihrem ungeborenen Baby und mehreren biologisch nicht verwandten Vätern. Das Projekt ist Kims Versuch, darüber nachzudenken, wie sehr unsere Normen und Wünsche in Bezug auf Familie als natürlich programmiert sind und wie Kim als Individuum in der hetero-patriarchalen Gesellschaft diese außer Kraft setzen kann. Im Jahr 2019, in der Anfangsphase des Projekts, veröffentlichte Kim ihren Plan, ein Baby per IVF zu bekommen und es mit mehreren temporären Vätern großzuziehen, die im Rahmen eines offenen Aufrufs ausgewählt werden. Das Geschlecht der Bewerber spielt dabei keine Rolle, sie würden für ihre Arbeit bei der Kindererziehung entschädigt werden. In englischer Sprache / Anmeldung zum Zoom-Talk →

Temporary Gallery Daddy Residency ArtJunk

Melissa Mabesoone (Engagement, Belgium), Katharina Klapdor Ben Salem (And She Was Like: BÄM!, Germany), Aynouk Tan (co-founder, Queer is not a Manifesto, The Netherlands)

Info: In connection with the IKOB – Feminist Art Prize 2022, IKOB is pleased to present a roundtable discussion with representatives of queer and feminist advocacy groups active in the cultural fields of three countries (…). While the prize exhibition itself engages with feminist themes through the artworks of finalists Daniela Bershan, Jieun Lim, Sandrine Morgante, Marnie Slater, Céline Vahsen, and Puck Verkade, it is also an attempt to counter the structural inequalities of the contemporary art world that continue to put women and queer people at a disadvantage, or otherwise tokenizes their work and presence. In this crossborder exchange of three organizations who each have a different focus and way of working, we discuss tangible strategies that artists, institutions and cultural workers can use to support marginalized voices, create inclusive environments and push back against discrimination. What changes, both small and radical can we envision together? How to push back against oppressive structures and power dynamics? This event provides space for the organizations to exchange ideas, strategies and challenges, followed by a discussion with the audience. Everyone is welcome to join and to participate! This event is free to attend, will be in English and takes place online via Zoom. Sign up here →

IKOB Daniela Bershan ArtJunk

Khanyisile Mbongwa (Kuratorin, Künstlerin, Soziologin), Li’Tsoanelo Zwane (Forscherin, Heilerin)

Info: Im Gespräch werden die Kuratorin Khanyisile Mbongwa und die Forscherin und Heilerin Li’Tsoanelo Zwane Geister der Vorfahren diskutieren, und wie sie verschiedene Ebenen der Verwandtschaft herstellen. Sie werden die Art und Weise erörtern, wie sie als Sangoma (Schamane / indigene spirituelle Heiler) zueinander in Beziehung stehen, wie wir die Beziehungen zu idlozi (dem Geist, mit dem man einen Körper teilt) und die Bruderschaft mit ubuNgoma (die Berufung; die Gabe des Heilens) gestalten können. Die Diskussion wird sich auch um die Verwandtschaft aus der Perspektive der weiblichen und männlichen Energien drehen, die keine statischen Rollen sind, sondern fließend und sich ständig verändern. Mbongwa wird erläutern, wie diese Form der Verwandtschaft ihre kuratorische Praxis von Care und Heilung beeinflusst. In englischer Sprache / Anmeldung zum Zoom-Talk →

Temporary Gallery Khanyisile Mbongwa LiTsoanelo Zwane ArtJunk

Constant Dullaart (Künstler), Martin Zeilinger (Titularprofessor, Computerkunst und -technologie, Abertay University Dundee, Schottland), Gabi Schulte-Lünzum, Ulrike Fladerer (Städel Museum, Frankfurt)

Info: In einer Welt in der wir längst im Internet zu Hause geworden sind und unser Leben teilen, stellen sich nicht erst seit der Erfindung von NFTs Fragen nach Autorschaft und Lizenzrechten. Die gemeinnützige Organisation Creative Commons setzt sich seit 2001 für die einfache und konkrete Handhabung von Werken im Internet ein, indem sie Lizenzverträge veröffentlichen, in denen Autor*innen die Nutzungsrechte an eigenen Werken wie Bilder, Texte, Musikstücke, Videos, etc. bestimmen können. Sowohl für Künstler*innen sowie öffentliche Institutionen und Bildungseinrichtungen, als auch für interessierte Privatpersonen können sich somit neue Freiheiten eröffnen. Doch was ist die Zukunft von Autorschaft? Was bedeuten Creative Common Lizenzen für die Kunst? Wie nutzen Künstler*innen Open Data? Gibt es neue Formate von Lizenzrechten? Wie schafft man frei zugängliche Werke, die auch wirklich genutzt werden zur Produktion und Rezeption? Was ist das anarchistische und antikapitalistische Potenzial von Open Data? In englischer Sprache / Anmeldung zum Zoom-Talk →

NRW Forum nextmuseum io ArtJunk

Ein offenes Gespräch zu alternativen Organisationsstrukturen, Ressourcenfragen und Machtverhältnissen mit kjubh (Köln), Galerie b2_ (Leipzig) und station urbaner kulturen / nGbK Hellersdorf (Berlin), Moderation: Aneta Rostkowska & Paulina Seyfried (Temporary Gallery)

Info: Unter der Frage Kann Führung ohne feste Hierarchien funktionieren? lädt die Temporary Gallery drei Kunsträume zum Gespräch über kollektive Organisationsstruktur, Ressourcenfragen und Machtverhältnisse, mit dem Ziel, konkrete Handlungsweisen, Methoden und Herausforderungen zur kollektiven Führung in und von Kunsträumen herauszuarbeiten. Im Fokus wird auch die Romantisierung von Kollektiven stehen, die mit einem Arbeitsalltag zwischen Prekarität, Ehrenamt und Leistungsdruck kontrastiert werden soll. Anmeldung zum Zoom-Talk →

emporary Gallery Camilo Pachon ArtJunk

Bini Adamczak (Philosophin, Künstlerin)

Info: Der Liebesmarkt basiert auf der Konkurrenz der Liebenden zueinander, wie jeder andere Markt einzig auf der Konstruktion von Knappheit. Es gibt genug Lover für alle, aber nicht alle bekommen einen ab, bzw. zehn. Die Theorie der Polysexuellen Oekonomie fasst Sexualität als Wertform, von der Seite des Austauschprozesses her. Sie lässt die Möglichkeit einer sexuellen Oekonomie erblicken, die zum ersten Mal in der Geschichte nicht ständisch-feudal, nicht rassexistisch-segregationistisch strukturiert wäre, ein universeller (Welt)Markt, auf dem alle Körper als Waren auftreten, ineinander tauschbar sind (welche Verzögerung, siehe 1789). Liberalisierung der Oekonomie ist aber Abschaffung ihrer Begrenzungen, nicht bereits Abschaffung der Oekonomie, um die es geht. Gesucht wird ein Modus von Vergesellschaftung, der weder der (unterkonsumptiv-)krisenhafte des Single-Marktes ist, noch der des Paars, des Ehevertrags, Handelsabkommen auf Lebensabschnittszeit. Weder protokapitalistische Oekonomie allgemeiner Konkurrenz also, noch sozialistische, Planwirtschaft, die die Armut (eine und nur eine Ware Anziehungskraft für jede[n?]) für die Ewigkeit verwaltet. In englischer Sprache / Erhalt der Lektüre nach Anmeldung zum Zoom-Talk →

Temporary Gallery Bini Adamczak ArtJunk

Sophia Grazdanow (Gründerin, Geschäftsführerin, Playful Thinking), Muriel Böttger (Psychologin), Charlotte Triebus (Performancekünstlerin, Choreografin)

Info: Das neue Buzzword heißt Metaverse. Immer wieder stößt man auf diesen Begriff, aber was ist dieses Metaversum eigentlich, wieviel hat es mit unserer analogen Welt zu tun und verstehen alle das gleiche darunter? Wir wollen über die Idee einer kollektiven, virtuellen Welt diskutieren und euch auf eine Reise mitnehmen an deren Ende sich jede*r eine eigene Meinung bilden kann. Was würde mit uns passieren, wenn wir nur noch in der virtuellen Welt unterwegs wären? Verändern wir uns, wenn wir als unterschiedliche Avatar*innen auf unterschiedlichsten Plattformern agieren? Spiegeln wir uns immer nur selbst oder ist der Austausch gar nicht so anders als in der realen Welt? Welche Vorteile haben die Befreiung von körperlichen Grenzen und andere Formen der Wahrnehmung? Wir haben viele Fragen, über die Sophia Grazdanow mit der Psychologin Muriel Böttger und der Performancekünstlerin Charlotte Triebus spricht. Anmeldung zum Zoom-Talk →

Dr. Astrida Neimanis (Kulturtheoretikerin, Professorin, UBC Okanagan, Kanada), Rebekka Seubert (Direktorin, Dortmunder Kunstverein), José Montealegre (Künstler)

Info: Im Vortrag erkundet Astrida Neimanis durch eine Betrachtung posthumanistischer feministischer Phänomenologie, wie das Leben als Body of Water einerseits natürlich eine simple wissenschaftliche Tatsache ist (alle biologischen Körper bestehen hauptsächlich aus Wasser) und andererseits Grundlage reichhaltiger Möglichkeiten. Als Body of Water zu denken, bedeutet also auch, die Unterströmungen unserer Existenz und ihr oft ungenutztes poetisches und politisches Potenzial zu betrachten. Astrida Neimanis schreibt über Wasser, Körper und Wetter aus intersektionalen feministischen Perspektiven. Ihr neuestes Buch Bodies of Water: Posthuman Feministist Phenomenology ist 2017 in der Environmental Cultures Series bei Bloomsbury’s erschienen. (…) Astrida Neimanis wird live aus Kanada zugeschaltet und steht anschließend für ein von José Montealegre & Rebekka Seubert moderiertes Gespräch zur Verfügung. Hybridveranstaltung in englischer Sprache / Anmeldung unter visit@dortmunder-kunstverein.de → / zum Zoom-Talk

Dortmunder Kunstverein Astrid Neimanis ArtJunk