ArtJunk
No. 30—2024

Esprit de Corps

Galerie Buchholz

Michael Krebber

Info: Ich hatte gedacht, dass ich versuchen könnte, Motive durchzuspielen, wie Broodthaers es in seinen Filzstiftzeichnungen getan hat. Aber mir vorzustellen, das so kräftig und frisch wie Broodthaers zu tun, wenn ich das überhaupt könnte, und das dann wieder in Malerei zurückzuführen, erschien mir völlig depressiv. (Ein Verrat, sozusagen). Der Titel Esprit de Corps ist einem Buch von Kenneth Silver über Figuration und klassische Ästhetik seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs entnommen. Buchloh hatte in seinem früheren Essay Figures of Authority, Ciphers of Regression, alle Rückbesinnungen auf figurative Malerei in diesem historischen Moment als politisch reaktionär angegriffen. Damit stellte er Picabia in eine Reihe mit rechtsgerichteten Malern wie Derain. Ab Anfang der 1970er Jahre tauchten sporadisch späte Picabia-Gemälde in Köln auf. Ich kam aus einem Raum, in dem man sich bewusst war, wie Künstler wie Derain und Balthus Referenzen zu Poussin benutzten, um reaktionäre Ideen zu fördern – aber auch wie ein Künstler wie Broodthaers Ingres als Teil einer linken Praxis benutzte. Diese unterschiedlichen Ansätze wurden noch erprobt, praktiziert und kombiniert. (…) – Michael Krebber

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